die Wildrosen

Heute musste ich unbedingt raus. Nach ner Woche Mopedfahren fühlt man sich am ersten Bürotag wie eingesperrt. Aber es regnete den ganzen Nachmittag und dabei freute ich mich auf ein paar Schritte draußen. Zum Glück hörte der Regen am frühen Abend auf und ich machte mich auf zu einem meiner Lieblingsplätze

Es ist so ein Platz an dem man sich wohl fühlt, irgendwie heimelig und beruhigend für die Seele, ein Platz an dem man abschalten kann und man ganz plötzlich ganz woanders sein kann. Ich denke jeder hat solche Plätze für sich ganz alleine.

Meiner ist dort wo die Landschaft sich anfängt zu wellen und leichte Hügel beginnen und die Gegend weiter westwärts zu einem Mittelgebirge anschwellen lassen. Auf der Landkarte findet ihr diese herrliche Gegend unter dem Stichwort Eifel.

Ja dort wo es sanft ansteigt und zu den Füßen dieser Hügel ein Flüsschen namens Erft dahinplätschert, dort steht zu beginn meines Weges ein großer Baum an dessen Stamm sie einen kleinen Altar mit einer hölzernen Maria errichtet haben. Zu ihren Füßen brennt ein kleines Licht und zeigt mir den Weg zu meinem “wohlfühl Platz”.

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Der Rose süßer Duft genügt,
Man braucht sie nicht zu brechen -
Und wer sich mit dem Duft begnügt,
Den wird ihr Dorn nicht stechen.

Friedrich von Bodenstedt

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Unter dem Baum habe ich schon oft gestanden, hab immer wieder angehalten und in die Ferne gesehn... und dann auch oft den Weg genommen den ich heute nahm.

Bei den ersten Schritten merkte ich sofort die schwere regengeschwängerte Abendluft... aber sie tat so unendlich gut nach dem ganzen Tag am Telefon....
Die Landschaft am Horizont verschwindet in der beginnenden Abenddämmerung und man kann die Rheinebene auf der einen Seite und die Eifelhügel auf der anderen Seite nur noch erahnen.

So erfreute ich mich am roten Klatschmohn der am Wegesrand zuhauf wuchs und über die Hasen die in kleine Gruppen auf den Wiesen hin und her hoppelten.

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Noch nass vom Regen strahlte mich der Mohn an als wolle er sagen, was für ein herrlicher Tag es doch heute ist und wie schön es doch sein sein kann wenn man hier seinen wohlverdienten Feierabend genießen und den Tag revue passieren lassen kann.

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Weit hinten am Horizont konnte ich auf der einen Seite die Rheinebene und auf der anderen Seite die sich erhebende Eifel erahnen. An den Füßen der Hügel stiegen die Nebel vom Regen des Nachmittags noch auf und zauberten ein gespenstisch schönes Landschaftsbild, das wohl keine Kamera einfangen kann.

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Eine kleine Weinbergschnecke kreuzte meinen Weg und ließ mich einen Moment inne halten und den Augenblick hier auf diesem Hügel am Tor zur Eifel in mich aufsaugen. Ja sie hatte die Zeit die so vielen fehlt um ganz gemächlich meinen Weg zu kreuzen - oder kreuzte ich ihren? Wer weiss.

Eine Wegbiegung weiter stieß ich dann auf wohl eine der schönsten Pflanzen die bei uns ganz ungezwungen wachsen können. Ohne dass sie jemand beschneidet in ihrer Freiheit oder gar versucht sie zu bändigen - die Wildrose

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Ja sie ist eine wundervolle Pflanze die hier oben sich entfalten kann und die mich heute Abend mit tausenden von immer anders getönten pastellfarbenen Blüten willkommen hieß.

Dies Pflanze findet man nicht hinter wohlgeordneten und gepflegten Zäunen und Hecken unserer Vorgärten. Nein sie liebt die Freiheit und den Standort an der freien Natur. Sie mag nicht gezähmt und geschnitten werden.

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Ich bewundere diese Rose die hier am Rande der Eifel ihre Pracht entfaltet und die sich wahrscheinlich nur sehr wenigen Wanderern und vorbei Eilenden erschließt. Für viele ist sie nur ein lästiges Gestrüpp das uns mit den Dornen den Weg versperrt. Für mich aber ist diese Wildrose eine wunderbare Schöpfung die uns zeigt wie schön es doch sein kann ohne Zwänge und Gebote zu existieren. Sie findet ihr Plätzchen hier auf diesem sanften Hügel und schaut mit leuchtenden Blüten auf eine wunderbare Landschaft hinaus. Eine Landschaft die mich immer wieder verzaubert und in der ich immer wieder nach diesen wilden aber wunderbaren Geschöpfen Ausschau halte um von ihnen zu lernen.

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Wenn man genauer hinschaut, merkt man sehr schnell wie wunderbar sich die Pflanzenwelt hier zu einem Farbspiel zusammen findet und es lohnt sich mehr as nur einen kurzen Moment anzuhalten.

Die Wildrose zeigt mir den weiteren Wegverlauf und um die nächste Biegung wird der Blick auf höhere Hügel und über das Tal der Erft frei. Ich habe schon von so manchen Fleckchen dieser Erde mit Bestimmtheit gesagt, dass ich jenem oder an anderen Orten nicht tot über den Zaun hängen will. Aber hier kann ich mir vorstellen, dass irgendwann einmal jemand versucht die verwitterten Buchstaben an meinem Grabstein zu entziffern. Nein keine Sorge nicht jetzt und auch nicht in nächster Zukunft... hey ich habe noch so wenig von dieser wundervollen Landschaft hier in der Eifel entdeckt. Eine Landschaft die auch mit ihren Wildrosen und verschlungenen Wegen mein Leben so verändert hat. Ja ich kann sagen, dass ich mich hier in die Eifel verliebt habe und mich hier gerne aufhalte.

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Zurück an meinem Ausgangspunkt dem alten Baum mit der Maria darunter kann ich sagen, dass ich eine wunderschöne Reise in ein verzaubertes Land der wilder Rosen und der nebelumschleierten Hügel der - wie nennt es eine Freundin - der Sackeifel unternehmen konnte.

Ich bin gespannt auf die Jahreszeiten hier mit “meiner” Wildrose und im Winter mit ihren Hagebutten.

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wieder zuhause angelangt schlief mein Schwalbenpärchen; ja sie haben das Nest in meinem Eingangsflur fertig.... ich gehe davon aus, dass sie demnächst Eier legen werden und Jungen in dieses herrliche Stück der Welt entlassen können

.....der Mopedsommer hat bereits begonnen.

Update: 13.Oktober 2008

Ach war heute mal wieder bei meinen Wildrosen und möchte euch ein paar Bilder zeigen die ich heute gemacht habe und ein paar Eindrücke erzählen die ich gespürt habe.

Eigentlich wollte ich ja Drachenfliegen gehen. Bei meinen Wildrosen hat es so herrliche Wiesenflächen über die der Wind streichen kann. Nur heute wollte er meine bunten Himmelsstürmer nicht in die Lüfte heben. Naja dann machte ich einen Abendspaziergang und genoss den Duft des Herbstabends und bestaunte die Veränderungen der Natur.

Hab die Falken beobachtet wie sie die frisch gepflügten Äcker absuchten... musste mit Freuden feststellen wie viele Hagebutten meine Heckenrosen doch hervorgebracht haben.

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Aber auch der Weisdorn hatte seine dunklen Beeren schön angesetzt und bereitet dem der sie mag einen reich gedeckten Tisch.

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Die jungen Birken, die den Sommer über durchs Gebüsch gewachsen sind färben bereits ihr Laub mit des schönsten Gelbtönen die nicht mal der begabteste Kunstmaler auf eine Leinwand zaubern könnte.

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einige Schlingpflanzen deren Name ich nicht kenne geben ihr Bestes um ihren Samen in alle Winde zu zersträuen ....

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einige Schlingpflanzen deren Name ich nicht kenne geben ihr Bestes um ihren Samen in alle Winde zu zersträuen ....

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Ja es zieht der Herbst in die Eifel und färbt das Laub bunt. Ein herrlicher Anblick in der Abendsonne und ich genoß die frische Luft bei jedem Schritt.

Es hat gut getan die Stille zu erleben und den Gedanken freien Lauf zu lassen...

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ach ich liebe diese abendlichen Spaziergänge und die Ruhe die die Natur doch abends ausstrahlt...

es war ein schöner Abschluss für einen guten Tag und der Mond steht hoch über dieser herrlichen Gegend und lächelte mir zu.