zu Besuch bei der schönen Lau:

Ein Blick genügt: Dieser Ort hat etwas Magisches.

Blau und Grün fließen schier unvergleichlich ineinander. Gleichsam ein leuchtendes Auge aus den Tiefen des Erdreiches,
Quelle für Mythen, Märchen und allerlei wundersame Geschichten. Eine der schönsten ist wohl die „Historie von der schönen Lau“,
in der Eduard Mörike erzählt, wie eine Wassernixe am Blautopf das Lachen wieder lernt.
Eine Steinskulptur am Ufer erinnert an sie … und noch heute soll sie an manchen Tagen in den Tiefen des Quelltrichters kurz zu sehen sein.

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Im April 2011 verschlug es uns an diesen geheimnisvollen Ort. Die Sonne schien und wir hatten gute Laune.... und wir spürten wie uns die Schöne im Wasser verzauberte.

Der Blautopf ist ein Ort der Sagen und Legenden. So wurde die Wasserfärbung einst dadurch erklärt,
dass täglich ein Fass voll Tinte hineingeschüttet würde.

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Diese Farbe ließ uns ebenfalls ins Phantasieren kommen und wir genossen den kleinen Rundweg um den Quelltopf. Naja man kennt ja die Tatsachen, warum das Wasser so blau ist und woher es kommt. Aber an solchen Orten, sind Tatsachen alles andere als prickelnd.

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Und dann kamen uns die Worte von Mörike wieder in den Sinn..... und wenn man darüber so nachdenkt, da muss was Wahres dran sein....

Die Historie von der schönen Lau

Im Schwabenlande, auf der Alb, bei dem Städtlein Blaubeuren,
dicht hinter dem alten Mönchskloster,
sieht man nächst einer jähen Felsenwand den großen runden Kessel einer wundersamen Quelle, der Blautopf genannt.
Gen Morgen sendet er ein Flüsschen aus, die Blau, welche der Donau zufällt.
Dieser Teich ist einwärts wie ein tiefer Trichter, sein Wasser von Farbe ganz blau,
sehr herrlich, mit Worten nicht wohl zu beschreiben; wenn man es aber schöpft,
sieht es ganz hell in dem Gefäß.

Zuunterst auf dem Grund saß ehemals eine Wasserfrau mit langen fließenden Haaren.
Ihr Leib war allenthalben wie eines schönen, natürlichen Weibs, dies eine ausgenommen,
dass sie zwischen den Fingern und Zehen eine Schwimmhaut hatte, blühweiß und zärter als ein Blatt vom Mohn.

Im Städtlein ist noch heutzutag ein alter Bau, vormals ein Frauenkloster,
hernach zu einer großen Wirtschaft eingerichtet und hieß darum der Nonnenhof.
Dort hing vor sechzig Jahren noch ein Bildnis von dem Wasserweib,
trotz Rauch und Alter noch wohl kenntlich in den Farben.
Da hatte sie die Hände kreuzweis auf die Brust gelegt, ihr Angesicht sah weißlich,
das Haupthaar schwarz, die Augen aber, welche sehr groß waren, blau.
Beim Volk hieß sie die arge Lau im Topf, auch wohl die schöne Lau.

Gegen die Menschen erzeigte sie sich bald böse, bald gut. Zuzeiten,
wenn sie im Unmut den Gumpen übergehen ließ, kam Stadt und Kloster in Gefahr,
dann brachten ihr die Bürger in einem feierlichen Aufzug oft Geschenke, sie zu begütigen,
als: Gold- und Silbergeschirr, Becher, Schalen, kleine Messer und andre Dinge,
dawider zwar, als einen heidnischen Gebrauch und Götzendienst,
die Mönche redlich eiferten, bis derselbe auch endlich ganz abgestellt worden.
So feind darum die Wasserfrau dem Kloster war, geschah es doch nicht selten,
wenn Pater Emeran die Orgel drüben schlug und kein Mensch in der Nähe war,
dass sie am lichten Tag mit halbem Leib heraufkam und zuhorchte;
dabei trug sie zuweilen einen Kranz von breiten Blättern auf dem Kopf und auch dergleichen um den Hals.


Eduard Mörike

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Einmal um den See herum lockt dann die Terrasse des ehemaligen Müllershauses mit ihren Sitzgelegenheiten und der Aussicht auf einen Cappuchino und ein Stückchen Birnenschmand.

hier sitzt meine ganz persönliche “Schöne Lau

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Beim plätschern des Wasserrades und dem munteren Treiben der Forellen genossen wir den Milchkaffee und träumten davon, dass die Schöne von unten auftaucht und uns ein Lächeln schenkt.

und wer jetzt einmal Lust drauf hat sich selbst ein Bild von diesem mystischen Ort zu machen:

Der Blautopf liegt am Ostrand der Schwäbischen Alb im Norden der Stadt Blaubeuren, 16 km westlich von Ulm.
Die Wasserquelle bildet den Abfluss der Blautopfhöhle (früher Blauhöhle genannt) im Blauhöhlensystem. Im Volksglauben galt der Blautopf als bodenlos.
Versuche, mit einem Bleilot die Tiefe zu ermitteln, sollen immer wieder von einer Nixe vereitelt worden sein, die das Gewicht stahl.
In Anlehnung an diese Sage gibt es unweit des Blautopfs einen Felsen mit dem Namen „Klötzle Blei“.